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24.08.2006
Der Steg
als Bühne für die schönsten Verrücktheiten
Marburg.
Mit einem Wort: Begeisterung. Keine geringere Reaktion verdiente
die Premiere der „Brückensinfonie“ des Theaters GegenStand am Dienstagabend
auf dem Ortenbergsteg.
von Dennis
Dippel
Ein großes
Hallo gab es bereits im Vorfeld: Ein Theater will Ortenbergsteg
und Bahnhof bespielen, mit mehr als 40 Darstellern und für die als
Verein organisierte Bühne gigantischen Produktionskosten von 15.000
Euro?
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Die Spannung
war groß, die Erwartungen lagen so hoch wie die Latte beim Stabhochsprung
– und die Premiere nahm sie im eleganten Hinüberflanken.
Eine „Orgie
der Phantasie“ hatte Mitorganisatorin Sabine Manke versprochen.
Ein Stück, das am und mit dem neuen Ortenbergsteg spielt, indem
es die unterschiedlichsten Szenen und Nummern zu den Themen Brücken,
Verbindung, Reise, Abschied und den Durchgangsorten Brücke und Bahnhof
verbindet.
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Zwischen Gleisunterführung
und Stegrampe am Ortenberg lauerten so zehn Spielorte auf das Publikum,
das bewusst auf 50 Zuschauer begrenzt war.
Der soziale
Raum „Bahnhofsbrücke“ wurde spielerisch und mit einer Vielzahl witziger
Einfälle zu einem Lebewesen erweckt, auf dessen Rücken die Menschen
wiederum die verschrobensten wie naheliegendsten Rituale und Handlungen
vollzogen.
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Zu Beginn berichtete
ein satirischer Film von der „Erstbesteigung des Ortenbergstegs“,
der erstmals bereits im 2. Jahrhundert erbaut worden sei – allerdings
ohne über oder zu etwas zu führen, weshalb dieser Vorläufer lange
in Vergessenheit geraten sei.
Dann holten
„Stewardessen“ ihre gespannten „Reisegruppen“ ab und erläuterten
ihnen das Programm der „White Rabbit Bridgelines“ – in Anlehnung
an das weiße Kaninchen aus der Inspirationsquelle für die „Brückensinfonie“:
dem Roman „Alice im Wunderland“.
Und wie die
kleine Alice tat eine Anleitung in dem surrealen Reigen von Situationen,
Gesprächen und komischen Nummern gut:
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| Da
tauchten plötzlich als „Men in Black“ gewandete Architekten auf, die
in schrägen Schüttelreimen sprachen, ältere Damen zogen den Zuschauern
bei unmöglichen Wettrennen von Kuscheltieren ihre „Zloty“ auf dem
Weg nach Ostpreußen aus der Tasche, bevor die auf dem Steg wandernden
Zuschauer wieder von den erwähnten Architekten bepöbelt wurden und
sich letztere als schießwütige Geheimagenten herausstellten. |
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Gott sei Dank
waren die Stewardessen stets hilfsbereit und erläuterten in todernstem
Tourismus-Tonfall die turbulenten Absurditäten und „Gefahren“ des
Spielortes.
Die Zuschauer waren begeistert: Unter leuchtenden Augen blieben die
Münder offen stehen, erzitterten in Lachanfällen, während ungläubige
Tränen des Amüsements die Wangen herunterrannen. |
| Künstlerischer
Leiter und Texter Martin Esters ebenso wie das gesamte vielköpfige
Team haben mit der „Brückensinfonie“ eine wahre Meisterleistung gestemmt.
Ihnen ist es gelungen, einen fast schon kunstfeindlichen Raum erfolgreich
für das Theater zu entern und mit so viel Kreativität und pointiertem
Humor zu bespielen, dass man sich wirklich an einen bisher ungesehenen
Märchenort versetzt fühlte. |
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Gesamtregie
und -koordination:
Martin Esters (künstlerische Leitung, Gesamtregie)
Bianka Gotsch (Organisation, Infrastruktur)
Sabine Manke (Ausstattung, externe Kommunikation)
Dagmar Kräutle (Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen)
Einzelprojekte/Regie: Martin Esters, Inga Berlin, Bianka Gotsch, Claudia
Jochem, Sabine Manke, Lou Meckelnburg, Daniel Müller, Karin Winkelsträter
und andere
Ensemble: insgesamt ca. 60 Beteiligte von Theater GegenStand, ACTeasy,
Die Burg-Stelzen, VfL Marburg und andere
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