Theater GegenStand e.V.
Kaleidoskop der Brücke
RÜCKBLICK
Das große Theater GegenStand-Open-Air-Sommer-Projekt am Ortenbergsteg

Brückensinfonie
oder
Die Erstbesteigung des Ortenbergstegs ohne Sauerstoffmaske

Eine theatralisch-musikalische Steg-Performance

Di 22.-So 27.8.; Di 29.8.-So 3.9.

Vorschau

 

24.08.2006

Der Steg als Bühne für die schönsten Verrücktheiten

Marburg. Mit einem Wort: Begeisterung. Keine geringere Reaktion verdiente die Premiere der „Brückensinfonie“ des Theaters GegenStand am Dienstagabend auf dem Ortenbergsteg.

von Dennis Dippel

Ein großes Hallo gab es bereits im Vorfeld: Ein Theater will Ortenbergsteg und Bahnhof bespielen, mit mehr als 40 Darstellern und für die als Verein organisierte Bühne gigantischen Produktionskosten von 15.000 Euro?

Stewardessen im Einsatz Crocket-Spieler

Die Spannung war groß, die Erwartungen lagen so hoch wie die Latte beim Stabhochsprung – und die Premiere nahm sie im eleganten Hinüberflanken.

Eine „Orgie der Phantasie“ hatte Mitorganisatorin Sabine Manke versprochen. Ein Stück, das am und mit dem neuen Ortenbergsteg spielt, indem es die unterschiedlichsten Szenen und Nummern zu den Themen Brücken, Verbindung, Reise, Abschied und den Durchgangsorten Brücke und Bahnhof verbindet.

Zwischen Gleisunterführung und Stegrampe am Ortenberg lauerten so zehn Spielorte auf das Publikum, das bewusst auf 50 Zuschauer begrenzt war.

Der soziale Raum „Bahnhofsbrücke“ wurde spielerisch und mit einer Vielzahl witziger Einfälle zu einem Lebewesen erweckt, auf dessen Rücken die Menschen wiederum die verschrobensten wie naheliegendsten Rituale und Handlungen vollzogen.

Auch Schach wurde auf dem Steg gespielt

Zu Beginn berichtete ein satirischer Film von der „Erstbesteigung des Ortenbergstegs“, der erstmals bereits im 2. Jahrhundert erbaut worden sei – allerdings ohne über oder zu etwas zu führen, weshalb dieser Vorläufer lange in Vergessenheit geraten sei.

Dann holten „Stewardessen“ ihre gespannten „Reisegruppen“ ab und erläuterten ihnen das Programm der „White Rabbit Bridgelines“ – in Anlehnung an das weiße Kaninchen aus der Inspirationsquelle für die „Brückensinfonie“: dem Roman „Alice im Wunderland“.

Und wie die kleine Alice tat eine Anleitung in dem surrealen Reigen von Situationen, Gesprächen und komischen Nummern gut:

Die Architekten, wenn es denn welche sind Geister des Ortenberg-Stollens
Da tauchten plötzlich als „Men in Black“ gewandete Architekten auf, die in schrägen Schüttelreimen sprachen, ältere Damen zogen den Zuschauern bei unmöglichen Wettrennen von Kuscheltieren ihre „Zloty“ auf dem Weg nach Ostpreußen aus der Tasche, bevor die auf dem Steg wandernden Zuschauer wieder von den erwähnten Architekten bepöbelt wurden und sich letztere als schießwütige Geheimagenten herausstellten.
Beim Kuscheltier-Rennen konnte man Zloty verzocken   Gott sei Dank waren die Stewardessen stets hilfsbereit und erläuterten in todernstem Tourismus-Tonfall die turbulenten Absurditäten und „Gefahren“ des Spielortes.
Die Zuschauer waren begeistert: Unter leuchtenden Augen blieben die Münder offen stehen, erzitterten in Lachanfällen, während ungläubige Tränen des Amüsements die Wangen herunterrannen.
Künstlerischer Leiter und Texter Martin Esters ebenso wie das gesamte vielköpfige Team haben mit der „Brückensinfonie“ eine wahre Meisterleistung gestemmt. Ihnen ist es gelungen, einen fast schon kunstfeindlichen Raum erfolgreich für das Theater zu entern und mit so viel Kreativität und pointiertem Humor zu bespielen, dass man sich wirklich an einen bisher ungesehenen Märchenort versetzt fühlte.
Theater auf Stelzen unter dem Steg Immer zur Stelle: die 5 Begleiter der White Rabbit Bridgelines

Gesamtregie und -koordination:
Martin Esters (künstlerische Leitung, Gesamtregie)
Bianka Gotsch (Organisation, Infrastruktur)
Sabine Manke (Ausstattung, externe Kommunikation)
Dagmar Kräutle (Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen)
Einzelprojekte/Regie: Martin Esters, Inga Berlin, Bianka Gotsch, Claudia Jochem, Sabine Manke, Lou Meckelnburg, Daniel Müller, Karin Winkelsträter und andere
Ensemble: insgesamt ca. 60 Beteiligte von Theater GegenStand, ACTeasy, Die Burg-Stelzen, VfL Marburg und andere

Plakatmotiv

 

Gefördert vom 14. Kultursommer Mittelhessen, dem Fonds Darstellende Künste e.V., der Sparkasse MR-Biedenkopf, der Stadt Marburg.

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